Die alte, neue Mär: „Die Frau, die sich nicht traut.“ #becauseits2015

Da ist sie wieder, die alte Mär von: “Die Frau, die sich nicht traut“. Erzählt wird sie heute besonders gerne, wenn es um die fehlende Frauen in Wirtschaft, Politik, in der Öffentlichkeit auf Podien, in den Medien und bei Diskussionen geht.

Die alte Mär von: “Mädchen trauen sich nicht, sind feige, die heulen nur, haben Angst, sind ja auch zurückhaltender, kämpfen nicht, usw.“. Solche Sprüche haben Mädchen doch immer schon gehört, wenn sie mitspielen wollten mit den Jungs. Klar, Jungs sind ja auch mutig, trauen sich was, weinen nicht, sind wilde Rabauken usw.!?

Wär ja auch noch schöner, wenn frau einfach mitspielen dürfte. Da muss sie vorher erst mal noch was Ordentliches lernen. Sie muss sich fit machen lassen für die Männer-Ringe, sie muss sich fortbilden in „Selbstverteidigung“, Rhetorik, Selbstvertrauen usw.! Klar, Männer sind ja sowieso von Natur aus für fast alles qualifiziert. Die alte Mär von: „Der Mann, der alles kann“!?

Statt ernsthaft Frauen gerecht in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu beteiligen, wird von den führenden Männer-Riegen einfach ganz schnell die alte Mär neu erzählt von: “Die Frau, die sich nicht traut.“ und alles kann beim Alten bleiben.Wer die Mär in der Wirtschaft erzählt, sollte mal die Frauen fragen, die sich damit auskennen. Zum Beispiel die 100 Führungsfrauen, die sich 2014 mit der Bundeskanzlerin wegen des Mitspielendürfens in den Männerrunden der Wirtschaft getroffen haben („Frauengipfel“ oder „Wirtschaftsgipfel“).

Wer die Mär erzählt, wenn es um die paritätische Besetzung von Panels, TV-Diskussionen usw. geht, sollte mal die Frauen fragen, die sich damit auskennen. Zum Beispiel die  women speaker foundation, die genügend Frauen in ihrem pool hat, die sich trauen.

Wer die Mär in der Politik erzählt, sollte mal die Frauen in der Politik fragen, die sich damit auskennen. Zum Beispiel die, die einfach mitspielen wollten, weil sie sich ein politisches Amt oder eine politische Führungsposition aufgrund ihrer Kompetenzen und Qualifikationen zutrauten. Die Frau, die sich sowas traut, die wird nicht von einem Richard Gere der Politik an die Hand genommen und ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt. Sie wird von ihm nicht auf der Erfolgstreppe sicher nach oben geleitet. Nein, sie wird schon weggeschubst, bevor sie überhaupt „Ich will“ rufen kann. Wo kommen wir denn da auch hin, wenn frau sich eigenmächtig ohne Erlaubnis der Jungs einfach in Richtung Mandat oder politische Führungsposition in Bewegung setzt?

Es gibt genügend Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich trauen! Vielleicht haben die aber heute auch einfach keine Lust mehr, bei den „Jungs“ mitzuspielen, die meinen, sie müssten immer noch die alten Geschlechterstereotypen leben. Und es gibt heute sicher auch eine Menge Männer, die das genauso sehen. Die trauen sich vielleicht nur noch nicht, dies auch öffentlich zu sagen. Denn die alte Mär von: “Der Mann, der alles kann“ wird auch immer wieder neu erzählt und wirkt als Anforderung auch immer noch genauso tief in unsere Gesellschaft hinein.

Beide Geschichten werden immer dann erzählt, wenn der bestehende Zustand von Ungleichberechtigung erhalten werden soll! Wenn eigene Geschlechterklischees nicht mehr hinterfragt werden und “Macht“ nichts verändern will. Wer heute die alte Mär erzählt und verbreitet: “Die Frau, die sich nicht traut“ und „Der Mann, der alles kann“ macht sich zum Kollaborateur einer Ideologie, die einfach immer weiter behauptet, dass Frauen eben schwach, ängstlich, emotional, kommunikativ usw. und Männer eben stark, mutig, aggressiv, wortkarg usw. sind, weil es so schön einfach ist. Diese Ideologie der, angeblich in den Genen liegenden Geschlechterstereotypen entspringt patriarchalischen Denksystemen, die wir alle als vernunftbegabte Wesen im Jahr 2015 in Deutschland längst schon hätten hinter uns lassen müssen.

So, wie der neue kanadische Premierminister Justin Trudeau es bei der Vorstellung seines neuen Kabinetts definierte, als er gefragt wurde, warum sein Kabinett zur Hälfte aus Frauen besteht: “Because it`s 2015!“

Weder ist mehr noch ist weniger zu sagen. Es ist 2015 und in Deutschland sind wir noch sehr weit von einer gleichberechtigten, gerechten, partnerschaftlichen Teilhabe von Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entfernt. Da hilft auch das Motto: “Gut Ding will Weile haben“ nicht weiter. Während sich in Deutschland Männerrunden in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer noch auf die Schulter klopfen, sich selbst feiern und Kritiker vorhalten: “Schaut doch, wieviel die Frauen schon erreicht haben!“, findet Zukunft anderswo statt, z.B. in Kanada. “Because it´s 2015!“

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