Kommt`ne Frau zur CDU … – 70 Jahre und (k)ein bisschen weiblicher?

„Kommt´ne Frau zur CDU …“ titelt der Spiegel in der Ausgabe 25/13.06.2015 S. 57ff seine Geschichte über den nächsten Versuch eines Generalsekretärs der CDU, die Partei jetzt aber mal endlich „jünger, weiblicher, bunter“ werden zu lassen. Der alte „Onkel“ CDU hat schließlich Geburtstag – 70 Jahre und (k)ein bisschen weiblicher?

Das haben vor Peter Tauber schon etliche Parteimänner öffentlichkeitswirksam verkündet, nicht nur Bundesgeneralsekretäre, auch führende Politiker aus CDU Landesverbänden. Sie alle dachten: Mal wieder ein PR-Konzept zum Thema „Frauen“ verkünden, ein paar nette, junge Frauen von Herrens Gnaden in politische Positionen bringen und schon ändert sich was, z.B. die CDU Baden-Württemberg. Tut es aber nicht! Bisher jedenfalls nicht! Die CDU ist immer noch die Partei der alten und der jungen (JU) Männer. Auch wenn eine Frau Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende ist. Das Foto vom Treffen der CDU-Bundesvorsitzenden mit den CDU- Fraktionsvorsitzenden der Bundesländer zeigt das Dilemma deutlich. Eine Frau umgeben von lauter Männern. Der Zustand dauert schon seit 70 Jahren mehr oder weniger an.

Nicht ganz. Zwischendurch gab es in der CDU sogar mal so etwas wie einen „feministischen“ Frühling, eingeleitet vom CDU-Generalsekretär Dr. Heiner Geißler. Der hielt aber nicht lange an. Heute, 70 Jahre nach Gründung der CDU, droht daraus eher ein „feministischer“ Herbst oder sogar Winter der CDU zu werden.

„Kommt´ne Frau zur CDU …“ – das wäre ein klasse #Hashtag für die vielen „Schauer“ – Geschichten, die CDU Frauen bundesweit seit Gründung der Partei über ihre Erlebnisse mit den Parteimännern erzählen könnten. Da ist die Story von Diana Kinnert eher eine der harmloseren, witzigen.

Da könnte CDU-Frau Stories erzählen: Von unverhohlenen, abwertenden öffentlichen Attacken bis zu, in kleinen CDU-Männer-Zirkeln ausgedachten Intrigen gegen Frau, vom gezieltem Mobbing, von gestreuten Verleumdungen, Einschüchterungsversuchen, Parteiausschlussdrohungen, Niederbrüllen … . Und das nur, weil CDU Frauen sich eigenständiges Denken erlaubten, weil sie annahmen, sie befänden sich auf Augenhöhe mit ihren männlichen Parteigenossen und z.B. aus eigenem Antrieb ihre Kandidatur für ein hauptamtliches Mandat ankündigten. Weil sie mit einer eigenen politischen Meinung aus der Parteimännermeinung ausscherten. Weil sie sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Partei engagierten. Weil sie mehr tun wollten in dieser Partei, als Kaffee kochen, in arbeitsintensive Stellvertreterposten stecken bleiben, Canvassing-Stände besetzen und Wahlzettel für männliche Kandidaten verteilen. Weil sie einen Führungsanspruch in der Partei erhoben, weil sie …! Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel kann die eine oder andere „gute“ Story erzählen, wie es ist, als Frau unter die alten und jungen CDU-Männer zu fallen. Sicher gibt es auch CDU-Frauen, die andere stories erzählen können. Von der gleichberechtigten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit CDU-Männern auf Augenhöhe. Diese Männer wären hervorragende „role models“ für die Partei!

Im CDU-Männer Universum kamen Frauen nämlich bisher eher als dienstbare Geister, schmückendes Beiwerk, zuarbeitende Stellvertreterinnen und sich unterzuordnende Verfügungsmasse vor. Weniger als gleichberechtigte, eigenständige Parteikolleginnen auf Augenhöhe.

Mit dem „auf Augenhöhe“ und dem heutigen Feminismus, den er in seinem FAZ-Interview vom 07.07.2014 als „laut“ bezeichnete, hat es der jetzige Generalsekretär ja auch nicht so. Ob ihm die gewohnten PR- Konzepte lieber sind: Junge, „gemäßigte“, Frauen in politische Positionen zu hieven, von Parteimännern, damit die „lauten, feministischen“ CDU-Frauen verhindert werden? Einen grundlegenden Wechsel haben alle diese Konzepte bisher nicht eingeläutet. Eher nach dem Motto, „alter Wein in neuen Schläuchen“, bleibt alles beim Alten, Gewohnten, Patriarchalischen.

Doch, eines hat sich schon geändert. Es gibt im Gegensatz zu den letzten 70 Jahren jetzt nur noch selten Partei-Fotos, auf denen die Realität der Partei, nur alte und junge Männer, abgebildet wird. Heute werden in der Regel Fotos in den Social Media gepostet, auf denen noch schnell von irgendwoher eine Frau – möglichst jung und gutaussehend – in die Mitte einer Schar CDU-Männer gestellt wird. Ob das die neue Weiblichkeit der CDU nach 70 Jahren ausmacht? Frauen dürfen jetzt mit aufs Foto?

Will die CDU Volkspartei bleiben und überleben, bleibt ihr im 21. Jahrhundert nichts anderes übrig, als die gleichberechtigte, partnerschaftliche Einbindung von Frauen auf Augenhöhe.

Ob CDU Generalsekretär Peter Tauber in seinem ambitionierten Projekt „Meine Partei 2017“ diesen Weg einschlägt, damit die CDU mit 80 dann endlich weiblicher ist? Und Frauen in der CDU in politischen Führungspositionen und hauptamtlichen Mandaten mit 50Prozent vertreten sind?

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